Dorfmusik

Dorfmusik

Wie Josef Böhnlein im Heimatbuch zur 300-Jahrfeier 1989 erinnert, liegt das Musikalische dem Rhöner im Blut, sangen die Langenleitener, „wenn sie bei ihrer mageren Kost zu ihrer Arbeit gingen“. Singend trieben früher die Hüterbuben ihr Vieh auf den Berg und singend zogen sie am Abend wieder heim.

Früher war es üblich, dass Firmlinge von ihrem „Dout“(Paten) eine „Harmenie“, eine Mundharmonika, geschenkt bekamen. Selbstverständlich konnten alle dieses Instrument dann auch spielen. Wie Böhnlein aus einem Zeitungsbericht vom 22. Februar 1935 zitiert, habe sich damals der Seelsorger und Volkskundler Dr. Johann Pfeufer von einer Frau aus Waldberg „nicht weniger als 186 Lieder vorsingen lassen. In den 90er Jahren hat Anna Arnold (Pfömmesch-Anne) auswendig über 100 Lieder auf Tonband gesungen.

Prozession

Prozession

Nach dem Ersten Weltkrieg formierte sich in Langenleiten das Musikleben. Es gab zwei Kapellen, die von den „Musikmeistern“ Ignaz Keßler und Andreas Keßler dirigiert wurden. Unter Leitung von Ignaz Keßler bildete sich eine starke Blechkapelle, die in der Hauptsache Kirchenmusik machte, aber auch mit der Sieben-Mann-Kapelle von Andreas Keßler zur Tanzmusik an Fasenacht und Kirchweih im Wirtshaus aufspielte. Die Kapelle Andreas Keßler hatte zwei bis drei Geiger, zwei Klarinettisten, einen Kontrabassisten und einen Trompeter.

Eine Besonderheit im musikalischen Alltag war die Kirchweih im Hessischen (Hesse-Kermes). Diese fand acht Tage vor der Langenleitener Martini-Kirchweih statt. Für einige Tage zogen die Langenleitener Musikanten mit ihren Instrumenten in die Gegend um Gersfeld und spielten von Hof zu Hof auf. So verdienten sie sich einige Pfennige dazu oder bekamen als Entlohnung Naturalien. Da während des Zweiten Weltkrieges die jungen Musikanten eingezogen wurden, musste nach dem Krieg der Musikbetrieb wieder neu begonnen werden, zumal sich auch die Kapelle Andreas Keßler auflöste.

Dorfmusik

Dorfmusik

Leonhard Keßler, der Sohn des Ignaz Keßler, baute nach 1945 die Kapelle seines Vaters neu auf. Zwei Jahre später bildete Ludwig Hauck vier Jungmusikanten aus, die später von der Blaskapelle Keßler übernommen wurden. Nun spielte man wieder an Fasenacht und Kirchweih zum Tanz auf und zwar – wie gewohnt – die alte, jahrelang geübte Dorfmusik – Walzer, Marsch, Rheinländer, Schottisch, Galopp – nach alten, handgeschriebenen Noten.

Als die alten Stücke aus der Mode kamen, gründete Konstantin Beinhauer mit fünf Mann eine Schrammelkapelle und bestritt künftig die Tanzmusikveran- staltungen. 1972 löste sich diese Kapelle wieder auf.

Jugendkapelle mit Pfarrer Schlör, Leonhard Keßler und Oswald Voll 1961

Jugendkapelle mit Pfarrer Schlör, Leonhard Keßler und Oswald Voll 1961

Zwischenzeitlich war 1961 eine Jugendkapelle mit zwölf Mitgliedern gegründet worden, die Leonhard Keßler leitete. Nachdem auch diese Gruppe 1968 aufgelöst wurde, formierte sich 1974 wieder eine neue Band. Die Blaskapelle unter Leitung von Oswald Hauck umfasste elf Mann. Bereits 1968 gründete Günter Metz das Feuer- bergquartett, das in den Folgejahren zum Quintett wurde und noch heute existiert.

Blaskapelle unter Leitung von Oswald Hauck

Blaskapelle unter Leitung von Oswald Hauck

Musikgeschichte in Langenleiten hat der langjährige Dirigent der Blaskapelle, Oswald Hauck, geschrieben. Er wurde 1947 von seinem Vater Ludwig ausgebildet, spielte in der Kapelle unter Leonhard Kessler, stellte von 1958 bis 1962 als Jazz-Musiker seine Vielseitigkeit unter Beweis und übernahm von 1967 bis 1995 die Leitung der Blasmusikanten. Er hatte die Fähigkeit, Noten vom Gehör aufs Blatt zu bringen, komponierte Märsche und Polkas. Mit großem Engagement bereitete Oswald Hauck die musikalische Umrahmung der 300-Jahrfeier 1989 vor. In einjähriger, intensiver Arbeit hat er die von alten Langenleitener Musikanten noch vorhandenen Noten für seine Kapelle neu gesetzt und geschrieben.